Neuordnung der Ausbildungsberufe in der Geoinformationstechnologie


Am heutigen Tage (Anm.: 04.06.2010) wurde im Bundesgesetzblatt die Verordnung über die Berufsausbildung in der Geoinformationstechnologie veröffentlicht. Damit ist der Reformprozess der Berufsausbildung in der Geoinformationstechnologie erfolgreich abgeschlossen. In den neuen Ausbildungsberufen Vermessungstechniker(in) und Geomatiker(in) kann somit ab dem 01.08.2010 mit neuen Inhalten ausgebildet werden. 

Motivation zur Neuordnung

Der Bedarf zur Neuordnung der bisherigen Ausbildungsberufe Vermessungstechniker/in und Kartograph/in ergab sich durch technische Entwicklungen in den Betrieben und Verwaltungen, die in den alten Ausbildungsordnungen der 90 Jahre nicht abgedeckt waren, wie Geodateninfrastrukturen, GPS, Fernerkundung, Photogrammetrie, Geoinformations- und Navigationsanwendungen, Web-Mapping usw. Durch die Bildung der neuen Berufsgruppe Geoinformationstechnologie können die Gemeinsamkeiten beider Berufe deutlich dargestellt werden.

Geomatiker/innen beherrschen den Gesamtprozess des Geodatenmanagements, also den Umgang mit digitalen und analogen Geodaten von deren Erfassung über vielfältige Verarbeitungsschritte bis hin zur Visualisierung. Es werden dabei erstmalig auch die Bereiche Fernerkundung, Photogrammetrie und GIS zusammen mit den Anforderungen an das Vermessungswesen und die Kartographie in einem staatlich anerkannten Beruf zusammengeführt.

Die aktualisierte Ausbildung zum/r Vermessungstechniker/in zeichnet sich neben der Vermittlung der Grundlagen des Geodatenmanagements durch vertiefte vermessungsbezogene Erfassungs- und Berechnungskompetenzen aus. Neu hinzugekommen sind Kompetenzen in den Bereichen der Industrie-und Überwachungsvermessung. Bei der Vermessungstechnik findet im dritten Ausbildungsjahr eine Spezialisierung in die Fachrichtungen Vermessung bzw. Bergvermessung statt.

Die beiden Berufe Vermessungstechniker/in und Geomatiker/in sind dadurch verbunden, dass im ersten Ausbildungsjahr gemeinsame Qualifikationen vermittelt werden und auch der Berufsschulunterricht gemeinsam stattfinden kann.

Ausbildungsstruktur

Die Ausbildungen gliedern sich wie folgt:

1. für beide Ausbildungsberufe in gemeinsamen Qualifikationen über 12 Monate im ersten Ausbildungsjahr

2. für jeden Ausbildungsberuf in spezifischen Qualifikationen sowie

3. im Ausbildungsberuf Vermessungstechnikerin die Fachrichtungen

a) Vermessung und

b) Bergvermessung.

Die Ausbildungsdauer beträgt für beide Berufe je drei Jahre.

Prüfungsstruktur

Die Zwischenprüfung nach dem ersten Ausbildungsjahr erfolgt gemeinsam für beide Berufe, die Abschlussprüfungen erfolgen getrennt mit unterschiedlichen Fragestellungen und Schwerpunkten.

Vermessungstechniker

Im Zuge der Neuordnung des Ausbildungsberufes Vermessungstechniker(in) wurden die Ausbildungsinhalte nicht nur der technologischen Entwicklung in der Messtechnik (bspw. Laservermessung, GNSS, hybride Messsysteme) und der digitalen Weiterverarbeitung von Daten angepasst sondern auch völlig neue Lerninhalte (bspw. Grundlagen der Geoinformationstechnologie), neue Ausbildungsstrukturen, neue Prüfungsinhalte und -methoden aufgenommen.

Profil:

  • Grundlagen der Geoinformation und des Geodatenmanagements
  • Erfassen, Beschaffen, Bearbeiten und Visualisieren von Geodaten
  • Vermessungstechnische Methodik und Durchführung von vermessungstechnischen Berechnungen
  • Anwendung von Informations- und Kommunikationssystemen
  • Liegenschaftskataster, Bau- und Bodenordnung, Grundstückswertermittlung
  • Durchführen von technischen Vermessungen
  • Beachten berufsbezogener Rechts- und Verwaltungsvorschriften
  • Anwenden naturwissenschaftlicher und mathematischer Grundlagen der Geoinformationstechnologie
  • teamorientiertes und qualitätssicherndes Arbeiten

Geomatiker

Die Priorität für das Berufsbild des/der Geomatiker(in) liegt in der Vermittlung einer breiten Prozesskette von der Geodatenerfassung über die Weiterverarbeitung bis zur Visualisierung und dem Marketing.  Der neu geschaffene Beruf Geomatiker/in integriert neben wichtigen Inhalten aus dem nicht mehr angebotenen Beruf Kartograph/in auch Elemente der Vermessungstechnik sowie wesentliche Inhalte aus der Photogrammetrie und Fernerkundung.

Profil:

  • Erfassung und Beschaffen von Geodaten
  • Verarbeiten, Verwalten und Veranschaulichen von Geodaten
  • Kundenorientiertes Durchführen von Aufträgen und Verwendung der Geodaten
  • Mitwirken in der Kundenberatung und Anwenden von Marketingstrategien
  • Beachten berufsbezogener Rechts- und Verwaltungsvorschriften
  • Anwenden naturwissenschaftlicher und mathematischer Grundlagen der Geoinformationstechnologie
  • teamorientiertes und qualitätssicherndes Arbeiten

Weiterführende Informationen

 
Forum Titel
bildungsinstitut3
rev
oebvi_deineberufung