Bund der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure e.V. (BDVI)
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BDVI-Stellungnahme zum Positionspapier „Energiewende und Geoinformationen“ des Deutschen Dachverbandes für Geoinformation e. V.

Das Positionspapier „Energiewende und Geoinformationen“ des Deutschen Dachverbandes für Geoinformation e. V. (DDGI) ist eine umfassende Situationsbeschreibung in Bezug auf Geodaten und der daraus abzuleitenden Aufgaben. Der Bund der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure e. V. (BDVI) als Mitgliedsorganisation des DDGI fühlt sich mit seinen Mitgliedern aufgerufen, Lösungen für die Aufgaben bereitzustellen.

Der BDVI ist ein freiwilliger Zusammenschluss Öffentlich bestellter Vermessungsingenieure in Deutschland, der deren Interessen gebündelt und wirkungsvoll vertritt. Derzeit zählt der Verband ca. 1300 Mitglieder. Dies entspricht einem Organisationsgrad von über 90 %. Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure sind in ihrer Funktion als staatliche Beliehene neben den Geoinformationsbehörden gemäß den Landesvermessungsgesetzen und den Berufsordnungen Aufgabenträger des amtlichen Vermessungswesens in Deutschland. Als Organe des öffentlichen Vermessungswesens sind sie auch dazu berufen, an bestimmten Aufgaben im Bereich der Geodaten mitzuwirken.

Für die konkrete Planung einzelner Projekte wird es erforderlich, dass Informationen erfasst, verdichtet, verarbeitet und bereitgestellt werden. Die Mitglieder des BDVI können für die im DDGI-Positionspapier „Energiewende und Geoinformationen“ aufgelisteten Bereiche folgende Beiträge leisten:

Bedarfsanalyse

Geobasisdaten

Die Bedeutung der Geobasisdaten kann aus dem Begriff abgeleitet werden: Sie sind Basis für eine kaum überschaubare Zahl von möglichen Anwendungen. Geobasisdaten stehen synonym für die Geodaten des amtlichen Vermessungswesens. Diese liegen noch nicht flächendeckend in einem einheitlichen Format und in gleicher Qualität vor. Eine sachgerechte Nutzung der Geobasisdaten erfordert Fachwissen, wie es bei den Öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren (ÖbVI) vorhanden ist. Der Umgang mit Geobasisdaten gehört zum Kerngeschäft der ÖbVI. Sie erfassen die Daten örtlich, haben einen engen Kontakt zu den geobasisdatenführenden Stellen und kennen die lokalen Besonderheiten dieser Daten.

Ergänzende Informationen für konkrete Projekte

Projektrelevante Geodaten liegen in unterschiedlichen Formen vor. Teilweise fehlt die Georeferenzierung oder die Informationsdichte ist unzureichend, so dass zusätzliche Datenerhebungen erforderlich sind. Die flächendeckende Präsenz der ÖbVI gewährleistet eine effiziente Datenerfassung vor Ort. Flexible Einheiten können schnell reagieren und so fehlende Daten zeitnah ergänzen.

Handlungsempfehlungen

Transparenz für den Bürger

Die im Positionspapier angesprochene effektivere Beteiligung der Bürger ist nur bei rechtzeitiger Bereitstellung der personenbezogenen Daten möglich. Im Rahmen der Neuregelungen, die für die Energiewende notwendig werden, sollte eine klare Regelung für den Datenschutz geschaffen werden. Dies kann aber keine völlige Freigabe personenbezogener Daten bedeuten. Der Zugriff darf nur projektbezogen gewährt werden. Ein Denkansatz wäre, zertifizierte Institutionen zu schaffen, die einen direkten Zugriff haben und einen Daten-Missbrauch ausschließen können. Bei einer  Bürgerbeteiligung könnten diese Stellen mit der Verteilung der Information betraut werden, indem betroffene Bürger direkt angeschrieben oder angesprochen werden. Die ÖbVI können genau diesen vertrauensvollen Umgang mit den personenbezogenen Daten gewährleisten. Öffentliche Aushänge sind ein Notbehelf.

Optimierung des Datenzugangs und der Datennutzung

Die Geschwindigkeit, mit der Daten transportiert werden, steht noch im Missverhältnis zu der Zeit, die benötigt wird, herauszufinden, wo sich Daten befinden und in welcher Form sie zur Verfügung gestellt werden. Anzustreben sind klare Dateninfrastrukturen und Vermeidung von redundanter Datenhaltung. Für den Bereich Nutzung der Geobasisdaten sind die ÖbVI bereit, ihre Erfahrungen einzubringen und bei der Optimierung der Datenzugänge mitzuwirken.

Dynamisierung der Informationslage durch Monitoring

Ein möglichst flächendeckendes Monitoring erfordert eine entsprechende Infrastruktur. Die Informationen sind vor Ort zu erfassen. Die ÖbVI sind vor Ort präsent, haben Ortskenntnis und arbeiten nach einheitlichen Standards. Eine Anpassung an Monitoring-Aufgaben ist daher keine grundsätzliche Neuausrichtung der Arbeitsweisen, sondern nur eine Erweiterung der Themengebiete. Die ÖbVI sind bereit, für das Monitoring zeitnahe Lösungen zu erarbeiten.

Der BDVI begrüßt und unterstützt die Aussagen des DDGI-Positionspapiers und die damit verbundene Verknüpfung unterschiedlicher Interessen und Inhalte zur Energiewende im Bereich Geoinformation. Die Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure als flächendeckende Organe des amtlichen Vermessungswesens sind die Ansprechpartner für Geoinformationen bei Einzelmaßnahmen der Energiewende vor Ort. Durch Beratungsleistungen und qualifizierte Dienstleistungen bei der Umsetzung können sie einen wertvollen Beitrag zur Energiewende leisten. Insgesamt sind Energiewendeprojekte nur mit transparenten Planungen umsetzbar. Die Planung muss Flächenkonkurrenzen analysieren und die Analyse muss Bürgern dargestellt werden. Beides geht nur mit optimiertem Einsatz aller verfügbaren Geoinformationen.

Berlin, 10. September 2012

 

Michael Zurhorst
BDVI-Präsident